
Zwei Wege, eine Pflanze zu nutzen – und ein großer Unterschied in der Wirkung auf der Haut. Was ist ein Kaltmazerat, was ist ein ätherisches Öl, und welches eignet sich wann?
Zwei völlig unterschiedliche Verfahren
Wer Naturkosmetik kauft, stößt oft auf zwei Begriffe: ätherisches Öl und Kaltmazerat (auch Ölauszug genannt). Beide stammen aus Pflanzen – aber sie sind grundverschieden in ihrer Herstellung, Zusammensetzung und Wirkung.
Ätherisches Öl entsteht durch Wasserdampfdestillation. Die Pflanze wird mit Dampf behandelt, die flüchtigen, duftgebenden Moleküle verdunsten und werden kondensiert. Das Ergebnis ist ein hochkonzentrierter, intensiver Duftstoff – aus mehreren Kilogramm Pflanzenmaterial entsteht oft nur ein einziger Tropfen Öl.
Kaltmazerat entsteht völlig anders: Pflanzenteile – meist Blüten – werden über Wochen in einem fetten Trägeröl wie Olivenöl eingelegt, ohne Hitze. Die fettlöslichen Wirkstoffe der Pflanze lösen sich langsam ins Öl. Das Ergebnis ist kein konzentrierter Duftstoff, sondern ein vollständigeres, sanfteres Wirkstoffprofil der gesamten Pflanze.
Was unterscheidet sich in der Wirkung?
Ätherische Öle wirken stark, schnell und intensiv – aber genau das macht sie auch reizender für empfindliche Haut. Sie können bei unverdünnter Anwendung Hautirritationen auslösen und sind oft fotosensibilisierend.
Kaltmazerate hingegen sind sanfter. Sie enthalten nicht nur die ätherischen Anteile der Pflanze, sondern auch fettlösliche Vitamine, Carotinoide, Flavonoide und andere Wirkstoffe, die bei der Destillation gar nicht erst ins Öl übergehen würden. Dadurch entfalten sie eine breitere, ganzheitlichere Wirkung – ideal für empfindliche Haut, für Babys und für die tägliche Anwendung.
Wann eignet sich was?
Ätherische Öle eignen sich gut für Düfte, kurzfristige Anwendungen und wenn eine intensive Wirkung gewünscht ist – etwa in unseren Naturseifen, wo ein starker Duft erwünscht ist.
Kaltmazerate eignen sich besser für Pflegeprodukte, die regelmäßig und großflächig angewendet werden – wie unsere Balsame und Pflegeöle. Hier kommt es auf die Verträglichkeit, nicht auf die Duftintensität an.
Warum wir bei unseren Balsamen auf Kaltmazerate setzen
In unserer Manufaktur in Bromberg verwenden wir bei den Balsamen mit Brunelle, Zitronenmelisse, Johanniskraut, Lavendel und Ringelblume bewusst echte Kaltmazerate in Olivenöl – keine ätherischen Öle. So entstehen Produkte, die auch für sehr empfindliche Haut, gereizte Lippen und sogar Babyhaut geeignet sind.
Bei unseren Naturseifen hingegen setzen wir teilweise auf ätherische Öle – hier ist die intensivere Duftwirkung gewünscht, und die kurze Kontaktzeit beim Waschen macht das Risiko von Reizungen geringer.
Häufige Fragen
Ist ein Kaltmazerat schwächer als ein ätherisches Öl?
Nein – es ist nicht schwächer, sondern anders. Ein Kaltmazerat enthält eine breitere Palette an Wirkstoffen, allerdings in geringerer Konzentration als ein destilliertes Öl. Für die regelmäßige Hautpflege ist das oft die bessere Wahl.
Kann ich Kaltmazerat und ätherisches Öl kombinieren?
Ja – viele Produkte (auch unsere) kombinieren beides: Ein Kaltmazerat als Basiswirkstoff, ergänzt mit etwas ätherischem Öl für Duft und zusätzliche Wirkstoffe.
Wie lange dauert die Herstellung eines Kaltmazerats?
Bei uns mindestens 4–6 Wochen. Die Pflanzenteile ziehen in dieser Zeit ohne Hitze im Öl, bis die Wirkstoffe vollständig übergegangen sind.
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